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Druckindustrie leidet unter der Rezession – ?Fundamentale Daten sind besser als aktuelle Wirtschaftszahlen
14. Juli 2009 - 15:17 Uhr | Autor: Klaus Wenderoth
Kategorien: Allgemein, Medien, Neues vom Markt, Prepress, Press
Die deutsche Druckindustrie leidet seit Jahresbeginn unter den Folgen der weltweiten Rezession. Positive Impulse von den Werbeausgaben der Wirtschaft fehlen gänzlich, so der Bundesverband Druck und Medien e.V. (bvdm) anlässlich seiner Jahrespressekonferenz am Dienstag, dem 14. Juli 2009 in Frankfurt am Main. Für 2009 rechnet die Druckindustrie mit einem Umsatzrückgang von etwa sechs Prozent.
Im Jahr 2008 erwirtschafteten die rund 11 000 Unternehmen der Branche einen Umsatz von etwa 23,3 Milliarden Euro. Dies sind rund ein Prozent weniger als noch im Jahr zuvor (23,6 Milliarden Euro). Die Kapazitätsauslastung der Betriebe sank im Jahresdurchschnitt 2007 von 83,2 Prozent, über 81,9 Prozent für 2008 auf 79,4 Prozent bis April 2009. Die Umsätze liegen für die Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten kumuliert bis April 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zehn Prozent niedriger.
Außenhandel schrumpft – Zahl der Beschäftigten noch konstant
Das Exportvolumen für Druck-Erzeugnisse sank 2008 um 3,6 Prozent, das der Verlagserzeugnisse um 7,3 Prozent. Auch das Volumen der Importe ist geschrumpft. Hier verzeichnet die Branche für 2008 einen Rückgang von rund sieben Prozent. Insgesamt bleibt die deutsche Druckindustrie aber weiterhin Nettoexporteur. Exporten in Höhe von 4,8 Milliarden Euro stehen Importe in Höhe von zwei Milliarden Euro gegenüber.
In der deutschen Druckindustrie arbeiten derzeit rund 172 000 Mitarbeiter. Nach stabilen Vorjahreszahlen in 2008 rechnet der bvdm für 2009 bei anhaltender Rezession mit sinkenden Beschäftigtenzahlen in der Druckindustrie. Die Zahl der Arbeitslosen ist bei Druckberufen im ersten Halbjahr 2009 bereits um 13 Prozent gestiegen, die Zahl der offenen Stellen um 24 Prozent gesunken. Durch den von der Bundesregierung erleichterten Zugang ist die Zahl der Beschäftigten in Kurzarbeit rasant angewachsen. Im ersten Quartal 2009 arbeiteten durchschnittlich insgesamt 3586 Beschäftigte kurz. Dies ist mehr als das Zwölffache im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. (1. Quartal 2008: 260 Beschäftigte)
Schwache Werbekonjunktur dämpft Branche
Das Konjunkturklima bleibt wegen der anhaltenden weltweiten Rezession schlecht. Für das Jahr 2009 wird ein Rückgang der Werbeausgaben von –5 Prozent bis –8 Prozent erwartet.
Etwa 60 Prozent der gesamten Druckproduktion ist von Werbeausgaben abhängig. Mit einem Produktionswert von rund sechs Milliarden Euro machen reine Werbedrucke und Kataloge mehr als ein Viertel der gesamten Druckproduktion aus. Ihr Druckvolumen konnte im vergangenen Jahr um rund 2,5 Prozent zulegen. Ein Minus verzeichneten Zeitschriften (–6,2%) sowie Zeitungen und Anzeigenblätter (–3,3%). Die Produktion von Büchern ist um 1,9 Prozent auf einen Produktionswert von einer Milliarde Euro gesunken.
Print wächst in der Verbindung mit Online-Angeboten
Generell zeichne sich ein neues Zukunftsbild der Printbranche ab, so Verbandspräsident Rolf Schwarz. „Die rasante Entwicklung technischer Möglichkeiten von Druck, Bilderkennung sowie der Verknüpfung von digitalen und gedruckten Inhalten schaffen neue Anwendungen.“
Ein stetiges Wachstum verzeichne der Bereich Corporate Publishing mit einem durchschnittlichen jährlichen Plus von rund 15 Prozent. Aus einer Mediendatenbank entstehen hierbei Print- und elektronische Medien gleichermaßen. Web-to-Print, individualisierte Druckprodukte, Außenwerbung mit Großformatdrucken und der Trend zu stark veredelten Druckprodukten seien Wachstumsmärkte der Druckindustrie, sagte Schwarz.
Branchenvergleich zeigt gute fundamentale Daten
Hauptgeschäftsführer Thomas Mayer appellierte an die Finanzinstitute, mutige und zukunftsweisende Unternehmen in ihrer Investitionsbereitschaft zu unterstützen. Entgegen einiger Vorbehalte in Bankkreisen gegenüber dem Mittelstand sei die Druck- und Medienindustrie auch für konjunkturelle Schwankungen solide aufgestellt. Ein Branchenvergleich in Zusammenarbeit mit der KfW-Bankengruppe und weiteren Wirtschaftsverbänden zeigt, dass die Druck- und Medienindustrie gerade bei den für ein Rating und für Banken wichtigen Kennzahlen wie der Eigenkapitalbasis (27%), der Unternehmens-Liquidität (130%) und dem Cashflow (10,5%) gute Werte erzielt. Mayer: „Bei der diesjährigen Bankenkonferenz des Verbandes haben die Branchenanalysten der Großbanken bestätigt, dass sich das Rating der Druckindustrie in den letzten Jahren verbessert hat.“
Bei sinkenden Gewinnmargen sei es der Branche in den letzten Jahren gelungen, damit eine sichere Unternehmensfinanzierung aufzubauen. Diese Entwicklung bewahre die Druck- und Medienunternehmen bisher vor einer hohen Insolvenzrate und Unternehmensschließungen.
Print fördert Demokratie und Bildung
An die Politik gerichtet, schloss sich der bvdm der Forderung der Zeitungsverleger an, einen zusätzlichen Beitrag zu leisten, um Demokratieverständnis und Bildung in der Gesellschaft zu fördern. Hierzu forderte er eine weitere Reduzierung der Mehrwertsteuer auf gedruckte Werke der Informationsvermittlung, insbesondere Bücher sowie Zeitungen und Zeitschriften.
Mayer: „Angesichts der Politikverdrossenheit in der Bevölkerung und der verbreiteten Bildungsarmut überwiegt der langfristige gesellschaftspolitische Nutzen für das gesamte Gesellschafts- und Wirtschaftsystem klar die eher geringen daraus resultierenden Steuerausfälle.“
Quelle: Bundesverband Druck und Medien e.V.


















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