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Der Produktioner, das ungeliebte Wesen
1. März 2010 - 12:41 Uhr | Autor: Klaus Wenderoth
Kategorien: Allgemein, Medien, Neues vom Markt, Prepress, Press
Produktioner in der Druckindustrie erfreuen sich offensichtlich nicht der allergrößten Beliebtheit bei den Druckereien. Ein Gespräch mit einem Hamburger Produktioner, in der vergangen Woche, machte dies einmal mehr deutlich. Mit einem aktuell zu vergebenden Druckauftrag hatte er es schwer, die optimale Druckerei für sein Projekt zu finden. Nicht ganz ohne Ironie stellt er die Frage: “Wie schlecht geht es einigen Druckereien wirklich, wenn Sie auf Druckaufträge von Produktionern lieber verzichten und Ihre Maschinen “ruhen” lassen?”
Der Produktioner, als Fachmann/Fachfrau ist wohl manch einer Druckerei zu kompliziert (oder kompetent?) und bei der Abwicklung eines Druckauftrages zu “schwierig” im Umgang. Produktioner in der Druckindustrie sind in der Regel Menschen, mit einer fundierten Ausbildung und entsprechender Berufserfahrung. Das ist Ihr Betriebskapital, das sie selbstverständlich einsetzten, da genau dies auch von Ihnen erwartet wird. Produktioner stehen in einer gewissen Verantwortung Ihren Auftraggebern gegenüber und haben, quasi als Auftrag, auch dessen Interessen zu vertreten.
Als Bindeglied zwischen dem Auftraggeber und der Druckerei sorgen Produktioner für einen reibungslosen Workflow und eine qualitativ sichere Produktion/Herstellung/Fertigung der Drucksachen. Freie Produktioner generieren Druckaufträge, oftmals aus der Industrie und dem Handel, und vergeben diese, natürlich gegen Provision, an Druckereien. Dieser “Provisionsaufschlag” scheint allerdings, aus Sicht mancher Druckereien, in der verlangten Höhe nicht (mehr) gerechtfertig zu sein und in Zeiten, wo die Gewinnspannen immer geringer werden, fällt es dann um so schwerer, diesen trotzdem zu gewähren.
Doch sind diese Vorbehalte gegen Produktioner wirklich zu halten? Nein, sie sind es nicht. Gerade die “freien Produktioner” leisten für kleine und mittelständische Druckereien so etwas wie “Vertriebsarbeit”. Diese Produktioner kosten nur dann Geld (Provision), wenn Sie auch der Druckerei Umsatz bringen. Das Fachwissen von Druckerei und Produktioner vereint, kann für alle Beteiligten nur von Vorteil sein. “Hahnenkämpfe” und Mißgunst sind da ebenso unangebracht, wie Selbstgefälligkeit und mangelnde Wertschätzung dem Produktionspartner gegenüber. Produktioner und Druckereien stehen nicht auf verschiedenen Seiten. Das gemeinsame Ziel, eine einwandfreie Drucksache, sollte denn auch eine konstruktive Zusammenarbeit möglich machen. Sie ist sogar eine unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg.













1. März 2010 um 12:41 Uhr
Sehr geehrte Damen und Herren,
habe Ihren Beitrag über “Produktioner” gelesen und bin voll des Lobes. Der Bericht trifft den “Nagel auf den Kopf” in unserer Druckbranche. Gerade der letzte Absatz kennzeichnet auch das allgemeine Verhalten. Also her mit den Produktionern die Daumenkinos, Minibücher,Broschüren und Loseblattwerke verkaufen wollen. – Andere drucken mit Farbe. Wir mit Leidenschaft.
Mit freundlichen Grüßen
Max Ballas
MB Verlagsdruck
1. März 2010 um 12:41 Uhr
Naja … so ganz vorbehaltlos zustimmen kann ich dem nicht.
Es gibt schon Kollegen, die vergeben Jobs auf der Jagd nach dem günstigsten Preis an die billigste Druckerei und verlangen anschließend Premiumqualität, weil sie ihrem Ruf als Produktioner vor dem Endkunden gerecht werden wollen. Im Preis gedrückt, hat die Druckerei aber den höchsten Aufwand und verdient kaum was am Auftrag. Berechnet der Produktioner dann seine Provisionen, verdient er manchmal ein Vielfaches von dem, was die Druckerei effektiv vom Auftrag hat. In so einer Situation kann ich Druckereien verstehen, die dankend ablehnen.
Die Kunst des Produktioners liegt ja gerade darin, einen Pool von Lieferanten zu haben, die man qualitativ gut einschätzen kann – sei es, was die Genauigkeit der PSO-Umsetzung betrifft, seien es die Weiterverarbeitungsmöglichkeiten.
Die Jobs hier passend zu verteilen und dem Drucker das zu geben, was er kann – genau das ist die Kunst eines guten Produktioners. Und der Endkunde muss genau diese Leistung zu schätzen wissen – billig einkaufen und teuer verkaufen kann schließlich jeder. Nur wird keiner davon auf Dauer satt oder gar glücklich …
Gott grüß’ die Kunst!
Andy Rossbach